Umweltschutz ist für mich keine Fragestellung, sondern eine Aufgabe, hier aktiv mitzuwirken.

Hallo Umweltinteressierter,

gerne würde ich wissen, welches der richtige Weg ist und auch den richtigen Beitrag für die Umwelt leisten. Ich möchte die Komplexität versuchen, nur in wenigen Sätzen, wenn dies überhaupt möglich ist, darzustellen, so dass jeder eine Entscheidung treffen muss, welchen Weg er gehen wird.

Auch wir erarbeiten zur Zeit ein Konzept, um eine umweltfreundlichere Verpackung anzubieten. Doch dies bedarf einiger Voraussetzungen, die zur Zeit noch nicht technologisch erfüllt werden können.

Verwenden Sie einen Kunststoff, der für Lebensmittel verwendet werden darf und auch kältestabil ist? So können Sie die Aussage treffen, dass dies sehr effizient ist, doch gleichzeitig, bei einem nicht ordentlichen Recycling, auch die Gefahr eines Missbrauchs oder einer Umweltbelastung besteht. Natürlich verwenden Sie eine Verpackung aus Papier oder Pappe, so kann dies aus lebensmittelrechtlichen Gründen kein recyceltes Produkt sein, sondern stammt direkt aus der Zellstoff-Fabrik und belastet somit die Natur durch das Abholzen der Bäume. Auch muss dieser Becher, egal ob Eis abgefüllt wird, Joghurt oder andere Lebensmittel, innen beschichtet sein. Ansonsten ist er nicht einsatzfähig und somit ist dieses Produkt auch nicht mehr kompostierbar, sondern kann nur noch verbrannt werden, da eine Trennung von diesen zwei Komponenten nicht möglich ist.

Erschreckend hinzukommt, dass Zellstoff- oder Papierfabriken extrem die Umwelt belasten und aufgrund ihres großen Wasserverbrauchs die Flüssen und Seen, an denen diese Fabriken stehen, total vergiften (siehe die neue Zellstofffabrik in Patagonien/Chile und deren Ergebnis). Doch viel gravierender ist die Aussage, dass von 100 abgeschlagenen Bäumen maximal 33 Bäume nachgepflanzt werden. Das Abholzen der Wälder, speziell in den mittleren Zonen, ist für unsere Umwelt katastrophal.

Die Verschmutzung der Weltmeere durch Kunststoff wird sicherlich unseren Niedergang weiter beschleunigen. Doch woher kommt das? 90 % der Kunststoffe, die in den Meeren schwimmen, werden durch 10 Flüsse in dieser Welt verursacht, die Kunststoff transportieren. 8 Flüsse davon sind in Asien und 2 Flüsse in Afrika.

Wir hier in Europa gehen mittlerweile erheblich sorgsamer mit diesen Produkten um und 75 % der Kunststoffe werden bereits recycelt und der Rest wird als Brennstoff für Wärmegewinnung verwendet. Nur ein sehr kleiner Teil wird achtlos weggeworfen.

Wenn Sie dann noch sehen, dass von der Gesamtbelastung der Umwelt – ich meine hiermit Produktionsstätten, Wärme für Wohnen und Leben, Kraftfahrzeuge – nur 2 % der gesamten Aufwendungen, die zur Belastung führen, für die Kunststoffherstellung verwandt wird, so ist dies ein sehr kleiner Teil gegenüber dem Raubbau an der Natur durch die Baumrodung.

Andererseits muss ich drauf hinweisen, dass der klassische Kunststoffbecher - hier gibt es unterschiedliche Materialien - doch auch Vorteile hat.

Aufgrund unserer gesetzlichen Vorschriften sind Lebensmittel so zu verpacken, dass sie diesen entsprechen und aufgrund des Massenkonsums und der Entwicklung auf dieser Welt werden wir nicht umhin kommen, fast alles verpacken zu müssen. Ansonsten dürfen Sie es, zumindest in Europa, nicht in den Handel bringen. Wie weit hier eine Änderung mittelfristig vorgenommen werden sollte, kann ich nicht sagen, doch aufgrund der Vielfalt der Produkte, die aus der ganzen Welt kommen, kommen wir um diese Dinge kurzfristig nicht herum.

Ich möchte hier ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Unternehmen anführen – immer wieder höre ich, dass die Eiswaffel viel besser ist als der Becher. (Übrigens verwenden wir in unseren Eiscafés einen Polystyrol-Becher, der zu molekularen Bestandteilen zerfällt und grundwasserneutral ist.) Die Waffel benötigt 9x so viel Energie zur Herstellung wie der kleine Eisbecher. Es fängt beim Pflügen des Feldes mit dem Traktor an und endet bei dem aufwändigen Backverfahren.

Wenn man all diese Dinge in die Waagschale wirft, dann ergibt dies schon einmal ein anderes Bild, denn der Transport von Kunststoffen ist effizienter als der von Eiswaffeln. (Hier steht das Volumen im Verhältnis zum Gewicht.) Und somit kommen wir von einer Position zu anderen und müssen erschreckend erfahren, dass 60% der LKWs, die auf unseren Straßen unterwegs sind, leer fahren. Auch das gehört zum Wissen, wenn wir über eine Ökobilanz sprechen. Um auch in diesem Bereich einen Beitrag zu leisten, habe ich eine effiziente Tiefkühltruhe entwickelt, zusammen mit einem Unternehmen aus dem Elektronik-Bereich, um die Ware effizienter auszuliefern, eine Einsparung bis 28% der Logistik. (Ich habe auch hier eine Patentschrift beantragt.)

Wie Sie vielleicht auch wissen, sind wir in einem Forschungsprojekt involviert über die Elektromobilität von LKWs und werden vermutlich den ersten LKW im kommenden Jahr einsetzen mit einem rein elektrischen Antrieb und das Besondere daran ist die eutektische Kühlung, die extrem umweltfreundlich gegenüber anderen Kühlsystemen ist. Somit wird zum ersten Mal ein Fahrzeug in Berlin unterwegs sein, das sich 100% schadstofffrei bewegt und in der Lage ist, gekühlte Lebensmittel auszuliefern, in unserem Fall das Florida Eis.

Nachwachsende Rohstoffe sind das große Thema. Somit habe ich vor Jahren für unsere Produktion mich für eine Holzheizung mit Pellets entschieden, doch wie ich heute weiß, ist der Feinstaub-Ausstoß bei Holzheizungen extrem und belastet in zunehmender Weise die Umwelt. Auch sind die Stickoxide hier als ein zusätzlicher negativer Faktor zu erwähnen. Seit ein paar Tagen läuft weltweit der erste elektronische Filter für Pellet-Heizungen bei mir und die Messergebnisse konnten schon eine erhebliche Reduzierung des Feinstaubs aufzeigen. Sicherlich nur ein kleine Beitrag, doch ich gehe davon aus, dass andere nachziehen werden und hier gesetzliche Änderungen zukünftig einfließen werden.

Wir sind nur ein sehr kleines mittelständisches Unternehmen und gehören nicht nur zu den 40 Klimaschutz Unternehmen in Deutschland, sondern sind auch aktiv in anderen Bereichen vertreten, um Ideen zu entwickeln und über diese auch zu berichten.

Wir haben eine spezielle Tiefkühlzelle, die seinesgleichen sucht. Jeder kann das nachmachen, doch bisher hat sich noch niemand daran versucht. Ich selber gebe ein gutes Beispiel, indem ich schon seit drei Jahren nur noch mit einem 100%igen Elektro-Auto unterwegs bin und die großen Strecken mit der Bahn absolviere.

Die Kunststoffe, die Sie im Meer anprangern, sind zu 100% durch den Menschen verursacht worden und hier liegt die Problematik. Schwellenländer sind noch lange nicht auf dem Wissensstand wie wir. Jeden Tag kommen 230 000 Menschen auf dieser Welt hinzu und nach den neuesten Zahlen hungern bereits 821 Millionen Menschen. Alle drei Sekunden stirbt ein Kind an Hunger oder schlechtem Trinkwasser und 87 Quadratkilometer werden jedes Jahr auf dieser Welt zubetoniert. Dies berichte ich nicht, um Angst zu verbreiten, sondern im Gegenteil, um alle aufzurütteln, hier kleine Beiträge zu leisten, dies zu verbessern.

Doch wie sehen diese aus? Diese Entscheidung können Sie nur alleine treffen, denn ohne Natur können wir Menschen nicht leben. Doch mit einem korrekten Umgang mit Kunststoffen ließe sich vielleicht ein wenig mehr Wald erhalten.

Somit meine Frage: Welches ist der richtige Weg?

Wir werden nicht umhin kommen, eine CO2-Steuer oder ähnliche Abgaben einzuführen. Doch dies wird auch bedeuten, dass jeder von uns für die Umwelt tief in die Tasche greifen muss. Sonst wird uns das widerfahren, was der Indianer-Führer Seattle vor dem amerikanischen Kongress vor ca. 150 Jahren gesagt hat: "Der Hunger des Menschen wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste..." (nachzulesen in Wikipedia).

Ihr Olaf Höhn